Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften

Das Angebot an Unterstützung familienuntern und in Form von Nachbarschaftshilfe nimmt ab. Gleichzeitig nimmt das Bedürfnis danach aufgrund der starken Zunahme der über 50 Jährigen und des Bedarfs an Unterstützung in Notfällen aber zu. Das Modell KISS will dazu beitragen, diese Lücke zu füllen.

Mehr Ältere, weniger Jüngere, kleinere Familien und höhereMobilität in der Schweiz – das hat Folgen. Der Anteil der Menschen im Beschäftigungsalter nimmt ab. Derjenige der Menschen im dritten Lebensalter – zwischen Pensionsalter und etwa 75 Jahren – steigt stark. Noch stärker steigt jener der über 80-Jährigen: Bis etwa 2040 wird sich ihre Zahl praktisch verdoppeln. Die Politik betrachtet diese Veränderungen vor allem als ein Problem der Finanzierung der Sozialversicherungen. Die dahinterstehenden tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen übersieht sie dagegen sehr oft. Eine faire Gestaltung der finanziellen Seite der sozialen Sicherheit kann aber nur erreicht werden, wenn diese in eine gesamtheitliche Generationenpolitik eingebettet ist.

Gelebte Solidarität als Grundlage

Eine solidarische Gesellschaft baute auf elebter Solidarität auf gesellschaftlicher Ebene ist nur dann nachhaltig, wenn sie ein Spiegelbild der gelebten Solidarität im Alltag ist. Das heisst, die Reform der Sozialwerke muss auch mit der Reform der gelebten Solidarität einhergehen. Sonst scheitert sie.

Zivilgesellschaft spielt eine entscheidende Rolle

Der Zivilgesellschaft kommt eine entscheidende Rolle zu. Es ändert sich ja nicht nur die Altersstruktur der Gesellschaft. Die Kinderzahl ist kleiner geworden, die familieninternen Ressourcen zur Unterstützung nehmen ab. Zudem hat die räumliche Mobilität zugenommen mit der Folge, dass Kinder und Eltern weiter auseinander wohnen und Nachbarschaften weniger lang dauern. Kurz und ökonomisch trocken ausgedrückt: Das Angebot an Unterstützung familienintern und in Form von Nachbarschaftshilfe nimmt ab. Gleichzeitig nimm die Nachfrage nach dieser Unterstützung aufgrund der starken Zunahme der über 80-Jährigen und des Bedarfs an Unterstützung in Notfälen (z.B. beide Eltern arbeiten, Kind ist krank; jemand hat einen Unfall oder ist krank) zu.

Der Beitrag von KISS

Das Modell KISS will dazu beiragen, diese Lücke zu füllen. Die Leistungen von KISS beinhalten Unterstützung im Sinne der Nachbarschaftshilfe, keine medizinisch verordnete Pflege. Das Modell KISS baut auf vier Prinzipien auf:

  1. Zeitgutschriften: Wer eine Stunde lang jemanden unterstützt, erhält diese Stunde gutgeschieben und kann sie später bei Bedarf beziehen (Zeitvorsorge) oder jemandem schenken (vererben geht nicht).
  2. Genossenschaften als Communities: KISS besteht zurzeit aus drei Genossenschaften in Obwalden, Luzern und Cham, in rund zwanzig Gemeinden läuft die Vorbeeitung. KISS ist sehr dezentral organisiert. Genossenschaften werden in Gemeinden oder in grösseren Städten in Quartieen gegündet. Sie sollten grundsätzlich nur so gross sein, dass sich die Mitglieder noch zusammengehörig fühlen und miteinander vertraut sind. Die konkrete Arbeit wird vor Ort von den Genossenschaften geleistet.
  3. Vermittlung: Koordination und Begleitung durch bezahlte Fachpersonen: Die Vermittlung zwischen Personen, die Unterstützung benötigen, und solchen, die sie anbieten, sowie die Koordination und Begleitung erfolgen durch Fachpersonen, die von den Genossenschaften angestellt sind. In der Gestaltung der konkreten Unterstützung, deren Planung und Durchführung sinddie Leistungnehmenden und -gebenden sehr selbstständig und unabhängig. Bei Problemen wenden sie sich an die Fachperson.
  4. Schweizweite Verbreitung: Soll die Zeitvorsorgeeine Breitenwirkng haben, muss sie möglichst flächendeckend aufgebaut sein. Dies ist im Zusammenhang mit der Mobilität in unserer Gesellschaft zentral.

www.kiss-zeit.ch

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