Mikrokredite in Metropolen

0060-084Der Verein GO! unterstützt seit Februar 2009 Selbstständige und solche die es werden wollen. Durch die Vergabe von Mikrokrediten bis maximal 40’000.– Franken zu fairen Konditionen und kompetenter Beratung begleitet Sie GO! Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit. Auf Wunsch werden Sie zusätzlich durch unsere Mentorinnen und Mentoren unterstützt. Seit Beginn haben wir über 78 Interessierte erfolgreich bis zur Kreditvergabe begleitet. Die durchschnittliche Kreditsumme betrug etwas mehr als 20’000.– Franken.

Interessierte brauchen keine bankenüblichen Sicherheiten. Unsere Stärke ist es, Zielgruppen den Zugang zu Kapital verschaffen zu können, die in der Regel keine Finanzierungsmöglichkeiten über eine Bank erhalten würden. Entscheidend sind eine überzeugende und konkrete Geschäftsidee, die markttauglich ist und die Fähigkeit, ihr Geschäft erfolgreich zu führen.

Mikrokredite werden an Personen vergeben, die im Kanton Zürich oder in einem der angrenzenden Kantone http://cialis20mgbestprice.com/ wohnhaft sind oder den Geschäftssitz in dieser Wirtschaftsregion haben.

Der Verein GO! ist eine Non-Profit-Organisation und wird von der Stadt Zürich, der Zürcher Kantonalbank, die auch Partnerbank ist, dem Migros-Kulturprozent und weiteren Sponsoren unterstützt.

Referat Diplomfeier Höhere Fachprüfung Arbeitsagogik

Referat an der Diplomfeier der Höheren Fachprüfung Arbeitsagogik
vom 28.11.2013 zu Arbeitsmarktintegration

Vielen Dank für die Einladung zu diesem Referat. Diplomfeiern gehören zu jenen Anlässen, die rundum erfreulich sind. Die Gefeierten haben ein Ziel erreicht, für das sie redlich oder auch hart gearbeitet haben und das wird jetzt mit dem Abschluss belohnt. Ein wichtiger Abschnitt ist abgeschlossen und das Diplom öffnet für die Zukunft neue Türen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass dies möglichst viele Türen sind und dass sie die richtige wählen.

Mein Thema ist Arbeitsintegration. Der Begriff Integration generell ist für mich entscheidend  dadurch geprägt, dass er auf Gegenseitigkeit beruht. Es braucht zwei Seiten für eine erfolgreiche Integration, alles andere ist einseitige Anpassung. Das kommt n.m.M. in einem Kernsatz der eidg. Migrationskommission zur Integration sehr schön zum Ausdruck: Integration ist Partizipation. Das gilt selbstverständlich auch für die Arbeitsintegration.

Im Berufsprofil für Arbeitsagoginnen und Arbeitsagogen lese ich u.a. dass Ihre Klientinnen und Klienten Menschen sind, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt beeinträchtigt sind. Ich muss gestehen, dass ich mit dem Wort Klient schon immer sehr Mühe hatte. Ich weiss immer nicht recht, was das inhaltlich bedeutet. Ich habe das Wort im Google – wo denn sonst – eingegeben und habe etwas Interessantes gefunden: Das Wort Klient entstammt der lateinischen Sprache und bedeutete ursprünglich so viel wie „Höriger“. Bezogen auf die Gesellschaft im alten Rom verstand http://viagrabuynow.com/ man unter Klienten Menschen mit wenigen Rechten, die einem Herrn, einem Patron, unterstanden. In der heutigen Zeit aber sei der Klient vom Wortsinn her zunächst einmal als Oberbegriff für einen Kunden zu verstehen, der einen Auftrag erteilt. Das gefällt mir schon besser, obwohl ich manchmal den Eindruck habe die frühere Bedeutung sei das Wort noch nicht ganz los geworden.

Aber das Interessanteste ist für mich, dass zu Beginn der Schlüsselaufgaben der Arbeitsagoginnen und –agogen der Satz steht: „Arbeit ist ein Menschenrecht und ein zentraler Pfeiler des Menschen“. Arbeit als Menschenrecht das ist verankert in der

Menschenrechtskonvention der UNO. Aber als Schlüsselaufgabe der Arbeitsagoginnen und –agogen? Da haben Sie sich ja einiges vorgenommen in einer Welt, die gemäss der Internationalen Organisation für Arbeit ILO 203 Millionen Arbeitslose zählt, einer OEDC mit 40 und einer EU mit 27 Millionen. Denkt man noch daran, dass diese Zahlen seit Jahrzehnten steigen und der Trend für die Zukunft keineswegs rosiger aussieht schon  ein ziemliche Herausforderung.

Es ist den aus meiner Sicht auch denkbar, dass die immer wieder aufflammende Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen als Reaktion auf diese Entwicklung verstanden werden kann. oder als einer unter vielen Gründen kann betrachtet werden kann. Also nicht Recht auf Arbeit,  sondern Recht auf ein Einkommen. Aber das wäre ein eigenes Referat.

Seit ich Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts meine Stelle beim Arbeitsamt der Stadt Zürich antrat, ist das Thema Arbeitsintegration in sehr unterschiedlichem Zusammenhang ein zentraler Teil meiner Arbeit. Ich habe in dieser Zeit einige Dinge gelernt und es hat  sich auch einiges  verändert:

  1. Wirtschaft und Politik reden viel und oft besorgt von der Arbeitslosigkeit und von der Notwendigkeit, dass diese bekämpft werden müsse. Aber eigentlich wirklich etwas tun dagegen will niemand. Das ist ein schwerer Vorwurf. Ich begründe ihn:
    • Anfangs der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts waren in der OECD rund 18 Millionen Menschen ohne Arbeit, heute sind es gut 40 Millionen. Und in all diesen Zeiten gab es kaum eine Regierungs- und Parlamentswahl in einem dieser Länder, in dem nicht alle Parteien und ihre Kandidierenden sagten, sie wollten die Arbeitslosigkeit dezidiert  bekämpfen.
  1. In den achtziger Jahren gab die OECD einen Bericht heraus, der besagte, dass die Hauptstrategien gegen die Arbeitslosigkeit in den OECD Ländern nicht wirksam sind gegen die Arbeitslosigkeit. Noch heute werden die genau gleichen Rezepte heruntergeleiert. Ernsthafter Wille sieht anders aus.Als es in der Schweiz noch die Wirtschaftsweisen gab, also vor vierzig Jahren, sagte einmal einer von ihnen, dass es Arbeitslosigkeit nicht gäbe wenn sie die politisch Verantwortlichen nicht wollten. Es trug ihm einen persönlichen Abrieb beim damaligen Volkswirtschaftsminister ein. Wenn es den Hund trifft so bellt er.Der tiefere Grund, warum Arbeitslosigkeit  und ihre Bekämpfung ein allgegenwärtiges Thema ist, sie aber ungerührt weiter steigt, die Schweiz ist da, zur Zeit noch, eine Ausnahme, liegt darin, dass sie ohne die Frage der Verteilung der Arbeit  nicht zu lösen ist. Aber Verteilungsfragen sind die absoluten Stiefkinder der gängigen Oekonomie und sie berührt sehr machtvolle Interessen.  Darum ist zu befürchten, dass auch weiterhin viel vom Kampf gegen Arbeitslosigkeit geredet aber nicht wirklich etwas dagegen getan wird.
  2. Die moderne Arbeitswelt stellt Anforderungen an die Menschen, die in dieser Ballung und in diesem Ausmass für einen immer grösseren Teil der Menschen schwer zu bewältigen ist. Aus meiner Sicht sind es vor allem die Anforderungen an die raschen Veränderungen, die Mobilität, das Tempo und die Unsicherheit. Die Arbeitsteilung nimmt zu, die Arbeit wird, v.a. aufgrund der Informatik, abstrakter (BMW) in immer mehr Bereichen drängt sich die EDV zwischen den Menschen und die konkrete Arbeit. Selbstverständlich gibt es Menschen, die sich genau in diesem Umfeld wohlfühlen, aber  für einen wachsenden Teil ist das alles zusammen zunehmend belastend und vor allem auf die Länge schwierig zu bewältigen. Die Spitze des Eisbergs sind die zunehmenden psychischen Probleme und Burnouts von Menschen im erwerbsfähigen Alter.Der Mensch braucht ein gewisses Ausmass an Berechenbarkeit und an Gewissheiten.  Das Pech ist, dass ausgerechnet zur gleichen Zeit, da die Berechenbarkeit und die Gewissheiten in der Arbeitswelt zurückgehen auch jene in der Gesellschaft schwinden.  Das macht Arbeitsintegration nicht einfacher.
  3. Nach der traditionellen oekonomischen Lehre gibt es drei klassische, gleichwertige Produktionsfaktoren:  Arbeit, Boden, Kapital. In jüngerer Zeit wird oft noch das Wissen dazugenommen. Mit Produktionsfaktoren meinte die Oekonomie Elemente, die es für die Produktion auf jeden Fall braucht, keiner ist wichtiger, weil die anderen nichts Wert sind, wenn  einer fehlt. In der Praxis hat jetzt aber eine Verschiebung stattgefunden. Das Kapital wird immer dominanter. Das kommt z.B. bei den Renditeansprüchen zum Ausdruck, lagen diese bis anfangs 90er Jahre des letzten Jahrhunderts noch bei etwa  sechs bis acht Prozent, so kamen in den 90 er Jahren mehr und mehr die Forderungen nach Renditen von 20 und 25 Prozent, obwohl oekonomische Untersuchungen immer wieder zeigen ,dass ein Unternehmen im Normalfall längerfristig höchstens Kapitalrenditen zwischen 5 – 8 Prozent verkraften kann. Nur beeindruckt das die Kapitaleigner und –verfüger nicht. Und ein weiterer Hinweis: Bundeskanzlerin Merkel sagte schon zu Beginn der Eurokrise, man dürfe die Märkte nicht beunruhigen. Man stelle sich das einmal vor: Die Bundeskanzlerin von Deutschland, sagt, ja nichts machen, das die Reichen Leute beunruhigt.  Nicht die Bürgerinnen sind der Massstab für die Politik, sondern die Kapitaleigner und –verfüger.

Also ist Arbeitsintegration eine Sisyphusarbeit?

Ja, das ist sie. Aber in einem ganz bestimmten Sinne:  Ich habe einmal gelesen, vielleicht sei Sisyphus der glücklichste Mensch der Welt gewesen, denn immerhin brachte er den Stein immer wieder den Berg hinauf. Und das trifft Arbeitsintegration sehr gut.

Sie wissen, die Stellen auf Lebenszeit sind im Rückgang begriffen. Die Arbeitswelt ist schnelllebig und es rechnet kaum mehr jemand, vor allem auch die Jungen nicht, mit langjährigen Arbeitsverhältnissen, obwohl es sie natürlich immer noch gibt, aber man weiss es erst, wenn‘s so gewesen ist.

Sie werden Menschen dabei unterstützen, in die Arbeit zu kommen, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht so gut sind. Sie können also nicht davon ausgehen, dass gerade bei diesen der generelle Trend in der Arbeitswelt nicht auch spielt. Deshalb finde ich den Vergleich mit Sisyphus passend, immer wieder eine Lösung finden, schauen, dass sie eine Weile hält und wenn es vorbei ist, den Stein wieder von neuem auf den Berg schieben.

Wohin integrieren?

Das war jetzt nicht gerade ermutigend.  Aber schaut man etwas genauer hin, dann ist man nach wie vor immer wieder erstaunt, wie vielfältig diese Arbeitswelt ist. Besonders auch in der Schweiz mit ihren vielen KMU, mit den vielen regionalen Unterschieden und mit einem nach wie vor hohen Anteilen an Firmen, die dem Gedanken der Sozialpartnerschaft nicht nur auf dem Papier verpflichtet sind. Wir sind z.B. zur Zeit am Aufbau eines Projekts, das sich zum Ziel gesetzt hat, jenen 3-5 Prozent von Jugendlichen, die pro Jahr nach Schulabgang keine Anschlusslösung finden, bei verschiedenen Versuchen gescheitert oder nicht weitergekommen sind, einfach einmal eine Arbeitsstelle zu suchen. Und es ist erstaunlich wie gross die Bereitschaft verschiedenster Firmen ist, einem solchen Menschen eine Chance zu geben.

Also eine gute Grundlage für Ihre konkrete Arbeit.

Ich versuche meine Erfahrungen mit der Arbeitsintegration in fünf Punkten zusammenzufassen:

  1. Die Menschen, um deren Integration es geht, dürfen in keinem Moment im Zweifel darüber sein, wer für Ihre Integration die Verantwortung hat: sie.Dass diese gelingt hängt von drei Punkten ab:
    • Ihre Stärken zu kennen und auf diese zu bauen, was jemand nicht kann, interessiert keinen Menschen und die Betreffenden selbst lähmt es.
    • die Menschen, um die es geht, als Partner mit gemeinsamem Projekt behandeln, und die Rollen klar definieren: Sie wollen integriert werden und wir helfen dabei.
      Wer nicht will muss die Folgen selber tragen. Stossen an der Schnur geht auch hier nicht.
  2. Das sicherste Mittel um eine Firma nachhaltig für die Arbeitsintegration zu verlieren, ist, ihr ungefragt zu erklären, wie sie das machen soll.
    Ihr Unterstützung anbieten, wenn sie sich auf ein Projekt einlässt fördert die Erfolgschancen sehr.
  3. Wer missionieren will, gehe in die Mission, aber lasse die Finger von der Arbeitsintegration.
    Mit Arbeitsintegration kann man die Welt nicht verbessern, aber man kann das Gute hervorholen, ausfindig machen, die Vorteile zeigen.
    Gute Verkäufereigenschaften sind sehr von Vorteil
  4. Die Anpassungsfähigkeit der Menschen hat ihre Grenzen, der Glaube an sie nicht.
  5. Arbeitsintegration hat eine immense gesellschaftliche und politische Dimension. Wenn immer möglich sollten Leute, die in der Arbeitsintegration tätig sind sich auf in der Oeffentlichkeit mit ihren Erfahrungen und Lösungswegen bemerkbar machen.
    Viele Vorurteile bleiben nur solange am Leben, wie sie niemand mit praktischen Beispielen widerlegt. Untaugliche Lösungsvorstellungen solange bis jemand tauglichere vorschlägt.

Ich komme zum Schluss. Ich habe Sie jetzt bewusst etwas durch ein Wechselbad geführt. Daran werden Sie sich in Ihrer zukünftigen Arbeit gewöhnen müssen. Ich wünsche Ihnen von Herzen viel Erfolg und alles Gute.