Etiketten-Schwindel

Wir haben uns so daran gewöhnt, dass wir es wahrscheinlich kaum mehr bemerken. Als vor Kurzem die Charles Vögele von der OIS übernommen wurde, wurde unter anderem auch vom unerbittlichen Wettbewerb im Bekleidungssektor gesprochen und man hätte den Ein­druck haben können, dass das für uns das grösste Problem wäre. Aber eigentlich müsste man nicht vom Wettbewerbsdruck sprechen, sondern davon, dass sich reiche Konzerne auf Kosten schlecht bezahlter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bereichern und dass sich wohlhabende und konsumverwöhnte Menschen ihre Kleider möglichst billig kaufen wollen. Aber diese Hintergründe wären wahrscheinlich etwas unangenehm.

Das zweite Beispiel sind die Verhandlungen im Zusammenhang mit TTIP und TISA, da wird immer vom Freihandel gesprochen und gesagt, der Freihandel sei doch gut. Dass es hier aber mehr und mehr unter dem Deckmäntelchen des Freihandels darum geht, dass Grosskonzerne ihre Machtpolitik in die Verträge, in die so genannten Freihandelsverträge hinein­bringen, davon wollen einige ganz fleissige Freihandelsbefürworter nichts wissen. Dabei, und diese Einsicht scheint zuzunehmen, dienen die Freihandelsabkommen mehr und mehr nur noch den Grosskonzernen dazu, der immer etwas ohnmächtiger werdenden Politik ihren Willen aufzuzwingen.

28.09.2016 / Ruedi Winkler